| Zitat: Auf dem Flugplatz
des NVA-Jadgfliegergeschwaders "Wilhelm Pieck" in Drewitz am 25.Oktober (1989). Männer in schwarzen Kombinationen und weißen Helmen
stehen an der Vorstartlinie vor einer MiG-21. Die Zivilbeschäftigten und
Armeeangehörigen des Fliegeringenieurdienstes haben heute einen ungewöhnlichen Befehl zu
erfüllen. Nicht wie sonst sind sie angetreten, um das Jagdflugzeug vor dem Start zu
kontrollieren. Nein, an diesem tag hantieren sie mit Schweißgeräten. Vor den Augen der
Weltpresse zerlegen sie die MiG-21 mit der taktischen Nummer 462. Nach wenigen Minuten ist
die Verbindung Tragflügel-Rumpf zerstört. Abgetrennte Seitenleitwerke und Höhenruder
fallen krachend auf den Beton der Rollbahn. Vor knapp zwei Monaten hat unser Bildreporter
diese Maschien schon einmal fotografiert - bei ihrem letzten Flug. Am 31. August mussten
sich die Piloten des Drewitzer Geschwaders von ihren Jagdflugzeugen verabschieden, jetzt
sind die Unteroffiziere und Offiziere des ingenieurtechnischen Personals an der Reihe.
Oberstleutnant Karl-Heiz John, der die Arbeiten an diesem Tagleitet, sieht die Demontage
auch mit einem weinenden Auge: "Die Einsatz- und Gefechtsbereitschaft dieser
Flugzeuge ist meine Lebensaufgabe. Mir blutet das Herz, wenn ich daran denke, dass sie
jetzt verschrottet werden." Das
Jagdfliegergeschwader "Wilhelm Pieck" ist aufgelöst worden. Die Truppenfahne
des traditionsreichen Geschwaders, aus dem unter anderem so verdienstvolle
Armeeangehörige wie der Chef der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung (LSK/LV)
Generaloberst Wolfgang Reinhold und Fliegerkosmonaut Sigmund Jähn hervorgegangen sind,
wurde übergeben. 50 Jagdflugzeuge vom Typ MiG-21 werden nun, wie im Januar angekünigt,
außer Dienst gestellt und verschrottet. "Es sind nicht irgendwelche veralteten
Maschinen, sondern Jagdflugzeuge, von denen fast die Hälfte die Kennziffern eines
"Jadgflugzeuges der ausgezeichneten Qualität" erfüllt", erläutert
Generalmajor Erhard Telle, Chef des Fliegeringenieurdienstes der LSK/LV der DDR.
"Einige Flugzeuge nutzen wir zur Traditionspflege. Hauptbestandteile werden für die
Ausbildung des technischen Personals gebraucht. Die Triebwerke lassen sich als
Ausblasgeräte in Kraftwerken verwenden. Abnehmer der hochwertigen Schrottteile ist das
Kombinat Matallaufbereitung Halle." Ein Flugzeugteil hat schon jetzt einen besonderen
Platz im haus des Friedensrates der DDR gefunden: Der Steuerknüppel der Maschine 462.
Professor Dr.Dr. Günter Drefahl nahm ihn im Beisein von Vertretern der Friedensbewegung
aus 13 Ländern entgegen. Diese symbolische Geste konnte auch der aktive Bundeswehrmajor
Franz Meyer beobachten, der sich mit 200 Berufssoldaten der Darmstädter Arbeitsgruppe
"Signal" für Frieden und Entspannung engagiert. Durch die sichtbaren,
einseitigen Abrüstungsschritte der DDR seien die Wiener Verhandlungen erst richtig in
Gang gekommen., sagte er mir in einem Gespräch. "Unter den gegebenen Umständen muss
sich unsere Regierung überlegen, ob bestimmte Rüstungsprojekte realisiert werden. Da
meine ich vor allem den geplanten Jäger 90 und neue Panzerabwehrhubschrauber."
Die LSK/LV der DDR verfügen nun über 50 Kampfflugzeuge
weniger. Fachleute wissen, welchen Kampfwertverlust das bei einer Gesamtzahl 307 Maschinen
bedeutet. Deshalb sehen wir die Auflösung des Jagdfliegergeschwaders mit den Worten von
Generaloberst Wolfgang Reinhold nicht nur als "Geste des guten Willens", sondern
auch als "Zeichen realer Abrüstung seitens der DDR, als eine Aufforderung an die
NATO-Staaten zu ähnlichen Schritten"
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