Abfangen bei großen Annäherungsgeschwindigkeiten

Beim Abfangen von langsam fliegenden Luftzielen in großen Höhen und in der Stratosphäre sind auf Grund der aerodynamischen Besonderheiten der leitstrahlgelenkten und zielsuchenden Raketen bestimmte Mindestgeschwindigkeiten beim Abschuss einzuhalten. Den verringerten Möglichkeiten zur Korrektur von Richtungsfehlern steht aber die Forderung gegenüber, die Umschaltbedingungenmit besonderer Genauigkeit herzustellen, da selbst eine geringfügige Abweichung der Lage des Luftziels von der Längsachse des Antennendiagramms dazu führen kann, dass das Luftziel nicht erfasst wird.
Beim Einhalten dieser Mindestgeschwindigkeiten entstehen beim Abfangen langsam fliegender Luftziele große Annäherungsgeschwindigkeiten, die bis 700 km/h und in Einzelfällen noch mehr betragen können. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass der Erfolg beim Abfangen langsam fliegender Luftziele mit großen Annäherungsgeschwindigkeiten nur bei Einhaltung folgender Forderungen gewährleistet ist.
(Anm.: Laut Aussage der Techniker lag die maximale Annäherungsgeschwindigkeit, die das FM-Visier technisch verarbeiten konnte so zwischen 800-850 km/h. Bei größeren Annäherungsgeschwindigkeiten kam es dann zum Abbruch der Verarbeitung der Signale. Nichts desto trotz lag meine größte ausgewertete Annäherungsgeschwindigkeit beim Schießen auf eine Leuchtbombe bei rund 1.200 km/h. Hatte ich ein gutes FM-Visier erwischt ;-). 1. Die Jägerleitung muss mit einer solchen genauigkeit erfolgen, dass das Luftziel mit einem Seitenwinkel nicht über 10° aufgefasst wird. Das setzt exakte Berechnungen des Steurmannsleitoffiziers und die genaue Durchführung aller Kommandos durch den Flugzeugführer voraus.
Infolge dieser Geschwindigkeiten verkürzt sich die verfügbare Zeit erheblich und der Abfangprozess stellt höchste Anforderungen an das fliegende Personal sowie an die einwandfreie Arbeit der FM-Visiere. 2. Die FM-Visiere müssen eine Auffassungsentfernung von mindestens 15 km gewährleisten, um dem Flugzeugführer das erforderliche Zeitlimit zur Durchführung der notwendigen Tätigkeiten zu gewährleisten.
So beträgt in diesem Falle die verfügbare Zeit vom Auffassen des Luftziels in einer Entfernung von 15 km bis zum Abschuss der Raketen etwa 1 Minute, während bei einer normalen Annäherungsgeschwindigkeit von ca. 200 km/h etwa 3 bis 3,5 Minuten zur Verfügung stehen. 3. Der Flugzeugführer muss sofort nach dem Auffassen des Luftziels die notwendigen Korrekturen durchführen, um das Zielzeichen mit den Lagezeichen "Oben" und "Unten" auf den Nullseitenwinkel zu bringen.
Wird das Luftziel bei geringeren Entfernungen aufgefasst, so verkürzt sich die verfügbare Zeit noch weiter und es entstehen zusätzliche Schwierigkeiten für den Flugzeugführer. Im weiteren Verlauf der Annäherung muss er sofort auch auf kleinste Abweichungen reagieren und das Luftziel bei der maximal möglichen Entfernung (9 - 10 km) erfassenh
Sehr kompliziert ist auch das Korrigieren auftretender Seitenfehler. Wird z.B. ein Luftziel bei einem Seitenwinkel von 30° aufgefasst, so dauert das Nachkurven auf den Nullseitenwinkel genau hinter das Luftziel etwa 40 - 60 Sekunden (je nach gewählter Schräglage). Für die weiteren erforderlichen Tätigkeiten bis zum Abschuss der Raketen, wie Präzisieren der Umschaltbedingungen, Erfassen des Luftziels, Zielen, verbleiben also im günstigsten Falle 20 Sekunden, die aber in keinem Falle ausreichend sind
(Anm.: Hilfreich in großen Höhe ist meist, dass das ganze über den Wolken stattfindet und man gute Chancen hat, das Luftziel ab einer bestimmten Entfernung optisch zu sehen.

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