MiG-Geschichten und Erlebnisse

Auf dieser Seite sollen in loser Folge alle (un)möglichen Geschichten rund um die Fliegerei mit der MiG-21 zu lesen sein. Aus persönlichen Blickwinkeln heraus, sicherlich aus einer, für manchen nicht nachvollziehbaren, Epoche des vergangenen Jahrhunderts. Lassen wir uns überraschen von, hoffentlich vielen Erinnerungen ehemaliger Piloten, Techniker oder Personen, die einfach nur so mal mit einer MiG zu tun hatten.

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vielen Dank an  Dietmar Schwemmer

Das JG 3 hatte auch mit der F-13 seinen Beitrag zum „Diensthabenden System“ zu leisten. Die Zeit des „scharf“ stehen war von einer Stunden vor Sonnenaufgang bis auf eine Stunde nach Sonnenuntergang begrenzt. Im Winter war das recht kurz, im Sommer konnte die Zeit da schon ganz schön lang werden. Das Essen wurde uns mit einem LKW immer zu den Mahlzeiten angeliefert.

Mittagessen gab es gegen 13:00 Uhr. Um 13:00 Uhr wurde aber auch täglich die Alarmierungseinrichtung (Sirene ) überprüft. Das wusste jeder. Jeder ?? Um 12:00 begannen wir uns gegenseitig uns daran zu erinnern. Angefangen vom Flugleiter bis zum letzten Mechaniker. Wenn wir dann aber 13:00 Uhr mit dem Mittagessen in der Hand am LKW standen hatte es bestimmt einer vergessen. Der arme Kerl warf dann seinen Teller in den Busch und setzte, unter allgemeinem Gelächter, zum Spurt an. Auch ohne Essen war es meist sehenswert. Da stand schon mal der Flugleiter mit dem Dokumentenkoffer auf dem Flur oder ein Techniker hetzte, noch mit herunter gelassener Hose, von der Toilette. Über kurz oder lang nahm jeder die Möglichkeit wahr seinen Beitrag zur Vergesslichkeit zu leisten. 13:00 Uhr auf dem DHS war immer ein Erlebnis.

Nun zu einigen historischen Details.

Zum Beginn meiner Dienstzeit im JG 3 im Herbst 1968 war nur noch die 1. Staffel mit MIG 19 (S und PF) ausgerüstet. Die 2. und 3. Staffel hatten F-13. Im Frühjahr 1969 wurde die 1. Staffel auf MIG 21 SPS umgerüstet. 1970 gab die 2. Staffel ihre F-13 an JAG 15 ab und wurde mit SPS/K ausgerüstet.

Dies war auch der Ausrüstungsstand zum Zeitpunkt meiner Endlassung im Herbst 1971.

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vielen Dank an Flugschreiber

Hier ein Erlebnis mit der 1. Bereitschaftskette.
Sicherheit wurde, und wird in der Luftfahrt in allen Bereichen immer groß geschrieben, so war dies auch schon vor 30 Jahren bei der LSK. Ohne Kontrolle und ohne Unterschrift eines Vorgesetzten ging im Frieden kein Flieger in die Luft. Wenn man dann jahrelang nach diesem System gearbeitet und sich daran gewöhnt hat, war man dann schon verwundert, das es auch ohne Vorgesetze ging.
Die Auslösung eines Gefechtsalarms im Geschwader war in der Regel, bewusst oder unbewusst, schon immer ein Tag vorher, Gerüchteweise bekannt. So war es möglich sich entsprechend zu präparieren und vorzubereiten. Dies war ja für uns Kasernenschläfer nicht mal so entscheidend, als für die Berufssoldaten und Offiziere die in der Stadt (Cottbus) wohnten. Wer Cottbus kennt, Cottbus ist eine Radfahrerstadt und damals fuhren ca. 90% der besagten Leute mit dem Rad zum Dienst, so auch bei Alarm.
Nun trug es sich einmal in meiner Dienstzeit zu, das so ein Gefechtsalarm vom Divisionsstab ausgelöst wurde, und keiner, nicht einer, wusste Bescheid. Als 5Uhr Früh die Tröde ging, raus aus der Koje, Klamotten an, persönliche Schutzausrüstung, Stahlhelm untern Arm, zur Waffenkammer und Kaschi geholt, auf das Alarmfahrzeug und in den Deziraum gerast. Die zwei DHS-Maschinen steigen gerade mit Nachbrenner auf. Fahrzeit etwa 5-6 Minuten, absitzen und noch mal 400 Meter im Laufschritt zur Maschine. Für das erste Paar standen schon zwei AG-2 bereit, Planen und Deckel vom Flieger, kurz Luft hohlen, steht auf einmal ein Trabi-Kübel mit Lotschik an meiner Maschine! Oh, denk ich mir, jetzt wird es Ernst. Langsam kam die Morgendämmerung hoch, mein Pilot sitz schon im Cockpit, ich erinnere mich noch an meine Worte: "Es hat noch kein Kettentechniker (Offizier) im Bordbuch unterschrieben!" In diesem Moment bekommt er per Funk den Befehl zum Anlassen! Ich immer noch Mutterseelen alleine in weiter Flur, nur Mensch und Technik und das Triebwerk läuft langsam hoch! Ich denke mir noch, der Spuck wird gleich vorbei sein, gibt mir der Pilot das Zeichen, Kabinendach ZU! Ja, nun schnell Stecker gezogen, Haube zu, Leiter weg, die Positionslichter brennen schon, Hosenträger und Blindkappen der R3S entfernen, Taschenlampe auf "Grün" und ab ging die Fuhre. Zwei Maschinen rollen die Stichbahn durch den Deziraum zur SLB, immer noch keine Offiziere da, Nachdenken, hasste alles richtig gemacht? Dann ging alles Schlag auf Schlag, die ersten zwei Paare der 1. und 2.Staffel starteten in Richtung West, während unser Paar auf die Bahn rollte und mit Nachbrenner Richtung Ost aufstieg. Blick auf die Uhr, 5:27Uhr! Puls in den grünen Bereich bringen und warten was passiert! In diesem Moment kommen die ersten Profis und mein Kettentechniker Hauptmann K. gemütlich den Rollweg entlang geradelt. Meine erste Bemerkung: "Ja, der Krieg ist gelaufen, Ihr kommt zu spät!" Ein Grinsen auf dessen Gesicht signalisiert mir, Spruch angekommen.
Übrigens, meine Maschine kam nach 45 Minuten zurück, Raketen noch an den Startschienen, Gott sei Dank

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das ist jetzt zur Abwechslung mal von mir

Ab und an wurde das Bergen und Retten eines (angenommen) verunglückten Piloten nach der Landung geübt. Dazu wurde das sogenannte Bergebesteck alarmiert um den Kutscher aus dem Flieger zu befreien. "Opfer" war immer "die letzte Landung" der Flugschicht. So kam es wie es kommen musste, auch ich war mal dran. Nach dem Aufsetzen kam über Funk "Sie stellen auf der Stichbahn ab". Gesagt, getan - Bremsschirm weg, runter von der Piste, Triebwerk abgestellt und pünktlicher Feierabend ade.
Irgendwann kamen dann auch die Feuerwehr und der Sankra und begannen am Flieger rumzufummeln. Irgendwie mussten die ja erstmal die Kabine von außen aufmachen, die Bodensicherungen stecken, mich vom Flugzeug trennen (Sauerstoffmaske, Gurtzeug) und raushieven. Das alles musste ich schmunzelnd über mich ergehen lassen, weil ich hätte doch schon gerne geholfen damit es schneller geht, durfte aber nicht. Es fanden dann interessante Gespräche unter den beteiligten Rettern statt, welche Bodensicherung wohin kommt und weshalb ständig eine übrig ist. War ja auch kein Wunder - allzu oft konnten die Jungs das ja nicht üben und Theorie hin und her, die Wahrheit liegt eben doch in der Praxis. Unter vielen Stöhnen und Ächzen wurde ich dann auch aus der Kabine gezogen und auf eine Trage gelegt. Dann übernahm der Gruppenführer das Kommando und befahl: "Hebt an" und ich wurde die ersten Schritte in Richtung Sankra getragen. Plötzlich bekam sein Gesicht einen nachdenklichen Einschlag, man sah ihm förmlich an, dass es mächtig in seinem Gehirn arbeiten musste. Plötzlich die Erlösung, ihm war sein Versäumnis eingefallen. Die weiteren Kommandos waren "Halt" und "Abstellen". Dann trat er an das Kopfende der Trage, machte sein Männchen (Ehrenbezeigung) und schmetterte mir entgegen:"Gen. Oberleutnant, sie wurden soeben aus ihrem Flugzeug geborgen". Da wars dann doch mit vorbei mit dem "Opfer", schallendes Gelächter meinerseits und nach einer kurzen "Was-denn-nun-Phase" bei den Beteiligten. Bei der anschließenden Auswertung mit dem Flugleiter dem Gruppenführer und mir konnte ich natürlich nur Gutes berichten.

Das kommt so ähnlich wie die fehlende Unterschrift in Flugschreibers Bordbuch. Erst die Formalitäten, solange muss auch im Ernstfall Zeit sein.

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... und das auch noch


Bekanntlich gab´s ja bis 87/88 bei uns das dreistufige Bereitschaftssystem, auch unter dem Namen "Gefechtsraten" bekannt. Für unsere Freunde jenseits der Elbe: Jeden Tag musste von jeder Jagdfliegerstaffel eine bestimmte Anzahl Raten sichergestellt werden. Da gab es die 1.Rate mit einer B-Zeit von 30 Minuten von irgendwo bis zum Einsitzen in der Kabine, die 2.Rate mit 60 Minuten und die 3.Rate mit 180 Minuten. Wenn man sich vortellt, dass es einen überall erwischen konnte, waren 30 Minuten nicht allzu lang, noch dazu, wenn das Flugzeug irgendwo auf dem Flugplatz rumstand.
Also begab es sich, dass ich 1.Rate hatte (wie fast immer). Es war ein schöner Morgen, nicht ganz so zeitig wie bei Flugschreiber.
Meine Frau war wie immer um 7:00 Uhr mit dem Zug auf Arbeit gefahren und ich macht mich grade fertig, um vor dem Dienst unsere Tochter (damals ungefähr ein Jahr alt) in die Kinderkrippe zu bringen.
Wie immer zu solchen unpassenden Momenten ging die Kuh los. Was tun - Krippe konnte ich getrost abhaken, keine Zeit. Bei Nachbarn keiner da, unter uns keiner da. Guter Rat war teuer und so klemmt ich mir die Kleine unter den einen Arm, irgendein greifbares Spielzeug unter den anderen, verfrachtete alles in meinen Trabbi und ab ging´s Richtung Flugplatz (bei Alarm durften wir mit dem Auto "anreisen"). Im Höhentrupp noch den Druckanzug angehost und den Helm geschnappt und volle Düse in Richtung DHS-Platte, wo mein Flugzeug Stand. Dort das Auto neben dem Flieger geparkt, so dass mich meine Tochter sehen konnte, und ab in die Kabine. Zeit gehalten, das war wichtig. In der Zwischenzeit ging so der allgemeine Betrieb los, der Wetterflug vom JBG machte in unmittelbarer Nähe seinen Pre-Flight-Check, es wuselte und lärmte. Natürlich gab´s auch neugierige Blicke auf und in das Auto, welches so gar nicht zwischen die Flugzeuge passte. Aber jeder der ein wenig Zeit hatte, hat sich dann mal kurz um meinen Nachwuchs gekümmert und die fand´s richtig gut.
Nach einer halben Stunde kam ein Oberstleutnant (hatte 2.Rate) und löste mich ab, damit ich die unfreiwillige "Soldatin" erstmal zu ihren anderen "Weibern" bringen konnte.

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