Der Flugraum über der DDR war recht überschaubar und viele Nutzer mussten ihn sich teilen: die zivile Verkehrsluftfahrt, die militärische Fliegerei, der Arbeitsflug der Interflug und die Gesellschaft für Sport und Technik mit ihren Motor- und Segelflugplätzen.

Oberste Priorität hatte außerhalb der Verkehrsluftfahrt die Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in der DDR mit ihren zahlreichen Flugplätzen, dann kam die NVA, dann eine Weile nichts und dann kamen die Anderen.

Um alle Aktivitäten unter einen Hut zu bekommen und das Ganze etwas zu entwirren gab es ein Netz im unteren Luftraum im Höhenband von 0 – 200 m (die sogenannten örtlichen Fluglinien) und darüber festgelegte Strecken, auf denen im Normalfall die Streckenflüge stattfanden. Diese sog. Standardstrecken waren für jedes Geschwader in bestimmten Höhenbändern festgelegt. 

Es gab Strecken für Flüge in geringen und extrem geringen Höhen (50 – 600 m), mittlere Höhe (2.000 -8.000 m) und große Höhen (10.000 – 13.000 m oder höher, wobei man da oben dann Keinen mehr wirklich störte)

Da in den Cockpits der Jagdflugzeuge relativ wenig Platz war für die Unterbringung von Unterlagen und die Entfaltung von großen Karten, (meist hatte man auch nicht die dazu nötigen Hände frei), musste der FF entweder alles im Knieplanchette unterbringen oder im Kopf haben.

So wurden auch sämtliche Strecken zuerst auf eine 1:500.000er Karte „gemalt“, anschließend in´s handliche Knieplanchettformat transferiert (ca. 12 x 9 cm) und mit allen nötigen Informationen versehen, die zur sicheren Flugdurchführung nötig waren.

Im Folgenden die Standardflugstrecken des JG-7 von „unten“ nach „oben“

Vorderseite: Die schwarze Linie ist die zu fliegende Strecke. In den schwarzen Kästchen stehen die fliegerischen Grunddaten, d.h. ohne Windeinfluss. Rechts steht der Kurs, links daneben über dem Bruchstrich die Strecke und unter dem Bruchstrich die Flugzeit.

An den Wendepunkten sind in Blau die entsprechenden Peilungen am Funkkompass zu den Funkfeuern eingezeichnet.

Für die Sichtnavigation kommen dann die wichtigsten Orientierungsmerkmale dazu: Ortschaften, Autobahnen/Straßen (jeweils rot), Bahnlinien (schwarz), Flüsse/Kanäle/Seen/Meer (jeweils blau), markante Waldgebiete (grün) und Sperrgebiete (rot).

In Grün auch Lufträume (um Flughäfen, Luftstraßen), die auch wir nicht ohne Weiteres be- oder durchfliegen durften.

Rückseite: Handlungen bei Orientierungsverlust (da diese immer gleich waren, gab es dafür schon einen Stempel), Handlungen bei Funkausfall, Besonderheiten

Strecke 685, geringe und extrem geringe Höhe
Nutzung: Streckenflüge in geringen und extrem geringen Höhen, Abfangen tief-und langsamfliegender Luftziele (z.B. AN-2, Mi-8) oder tief- und schnellfliegender Luftziele (z.B. andere MiG-21 als Simulation eines Marschflugkörpers)
Streckenführung: Start – Striesow – Berkenbrück – Neuzelle – Landung
Besonderheiten:  der Truppenübungsplatz Lieberose (das große rote Rechteck) war meist für Durch-und Überflüge gesperrt, Luftraum um Berlin,
auf der Rückseite das Bodenprofil mit den höchsten Erhebungen/Hindernissen.
Strecke 695, mittlere Höhe, 2000 m
Nutzung: Streckenflüge in mittleren Höhen, Abfangen von Luftzielen in der unteren Einsatzhöhe des Funkmessvisiers
Streckenführung: Start – Calau – Herzberg – Schönewalde – Lübbenau – Landung
Besonderheiten:  in der Kurve von Herzberg nach Schönewalde lag der Flugplatz Holzdorf.
Strecke 684, mittlere Höhe
Nutzung: Streckenflüge mittleren Höhen, Abfangen von Luftzielen in der unteren Einsatzhöhe des Funkmessviers
Streckenführung: Start – Werben – Ziltendorf – Walowice – Landung
Besonderheiten: das war die „Rennstrecke“, eher eine größere Platzrunde, man war in gut 8:30 Minuten einmal rundrum.
Auf dieser Strecke bin ich gefühlte tausend Abfangen nachts, in den Wolken in der unteren Einsatzhöhe des Funkmessvisiers geflogen, weil die Zeit für das Leitmanöver und den Angriff so kurz war.
Strecke 691, große Höhe, 7.900 – 10650 m
Nutzung: Streckenflüge in großen Höhen, Abfangen von Luftzielen
Streckenführung: Start – Vetschau – Brandenburg – Nauen – Funkfeuer Bugk – Landung
Besonderheiten: Interessante Streckenführung, auf dem Weg von Nauen zum Funkfeuer Bugk führte die Strecke über das südliche Westberlin. Vor allem nachts, wenn man mal ein wenig Zeit hatte, rauszuschauen immer wieder ein Erlebnis.
Auf dieser Strecke konnte man auch schon mal unangekündigt als Ziel für unsere sowjetischen Kollegen dienen, die in Ermangelung eigener Ziele, unsere Flugzeuge „angriffen“.

Strecke 683, große Höhen, Stratosphäre

Nutzung: Streckenflüge in großen Höhen, Abfangen von Luftzielen in großen Höhen und in der Stratosphäre (Überschallabfangen)

Streckenführung: Start – Vetschau – Sonnewalde – Groitzsch – Reideburg – Beeskow – Landung

Besonderheiten:
die Wendepunkte: wer sich mal die Größe von Groitzsch und Reideburg (Vorort von Halle) mal auf Google-Earth anschaut und dann das ganze aus 10.000 m vorstellt… Also hieß es in Richtung Leipzig grob links neben Leipzig anhalten und dann um Leipzig drumherum 🙂

Durchflug internationale Luftstraße A-4 (Berlin- Prag). Die Höhe musste westlich der Luftraße abgebaut werden, dann durfte man nur durchfliegen, wenn weit und breit kein ziviler Flieger zu sehen war.

Nach dem Überschallabfangen war Kraftstoff ein wertvolles Gut. Bei 1.000 Liter Restkraftstoff musste man den Nachbrenner ausschalten, minimaler Kraftstoffrest bei der Landung 500 Liter.
Wenn es gut lief, dann konnte man in 13.000 m das Gas rausnehmen und im stetigen Sinkflug bis auf den Landekurs gleiten.

Strecke 688, 709, 300 -1.200 m
Nutzung: An- und Abflug Erdschießplatz Jerischke
Streckenführung:
688 Start – Peitz – Guben – Lubsko – Debinka – Erdschießplatz
709 Start – Peitz – Brody – Tuplice – Erdschießplatz
Besonderheiten: auch hier waren die Wendepunkte nicht wirklich groß und man war mit scharfen Waffen unterwegs

auf der Rückseite der Spikzettel für die Bedienung der Waffenanlage
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