Die vom russischen Hersteller so genannte MiG-21 PFM (Erzeugnis 94), die als zweites Serienmodell der zweiten MiG-21-Generation in die Bewaffnung aufgenommen wurde, unterschied sich stärker vom Vorgängermodell. Ein neuer Katapultsitz KM-1 erforderte ein zur Seite aufklappendes Kabinendach, mit festem Frontteil. Das Seitenleitwerk wurde wesentlich größer und der Bremsschirm wurde in einem Behälter über dem Schubrohr untergebracht.

Der entscheidende Fortschritt war jedoch die Ausrüstung des Flugzeuges mit dem System SPS .

Im Zeitraum 1966/67 kamen 80 MiG-21 SPS in den Bestand der LSK/LV.

Erstmals war bei dieser Version der Einsatz zweier Starthilfsraketen SPRD-99 möglich. Im Rahmenprogramm zu den Kunstflugweltmeisterschaften 1968 in Magdeburg zeigte eine MiG-21 SPS einen eindrucksvollen Start von der Rasenbahn des dortigen Flugplatzes mit den Starthilfsraketen. (nachdem die zuerst überführte Maschine einen „kleinen“ Schaden bei der Landung in Magdeburg erlitt)

Während der Serienproduktion wurde die Produktion umgestellt. Erfahrungen aus Kampfhandlungen in Nahost und Vietnam nutzend wurde bei den SPS die Möglichkeit geschaffen, einen Kanonenkontainer GP-9 mit 200 Schuss unter dem Rumpf mitzuführen. Solche Maschinen kamen ab Ende 67/Anfang 68 zur NVA und wurden intern als SPS-K bezeichnet.

Modernisierungen und Kampfwertsteigerungen umfassten den Einsatz der Luftkampfrakete R-60M von Einzel-oder Doppelträgern, die Tarnlakierung und die Schmutzabweiser unter den Startklappen zur Schonung der Triebwerke.

Im Jahre 1989, als das JG-7 auf Beschluss des Nationalen Verteidigungsrates aufgelöst wurde, konnte mit der SPS nochmal so richtig geschummelt werden. Da das JG-7 mit der MiG-21 M ausgerüstet war und diese Maschinen nicht „geopfert“ werden sollten, tauschte man sie kurzerhand aus. Alle Flugzeuge aus dem Bestand des JG-7 wurden auf andere Truppenteile verteilt und die „Lücken“ mit SPS aufgefüllt. So stand dann im Oktober zur offiziellen Auflösung die ganze Vortartlinie (Flightline) mit schönen alten Flugzeugen voll, die dann größtenteils auch verschrottet wurden. Eins (die „711“) brauchte man nicht verschrotten, das hatte der Flugzeugführer schon beim Versuch, in Drewitz ohne Fahrwerk zu landen geschafft.

interne Bezeichnung: Erzeugnis 94, 94K

NATO-Code:Fishbed D

Verwendung: Allwetter-Abfangjagdflugzeug

Einsatzzeitraum: 1966-1990

Stückzahl: gesamt etwa 130

Truppenteile: alle Jagdfliegergeschwader, Fliegerausbildungsgeschwader

Merkmale:
  • großer Lufteinlaufkegel
  • Staurrohr auf dem Bug
  • je eine Aufhängung unter jeder Tragfläche, eine zentrale unter dem Rumpf
  • nach der Seite aufklappendes, zweiteiliges Kabinendach
  • Bremsschirmbehälter über der Schubdüse
  • Kabine: Bildschirm des Funkmeßvisiers auf dem Gerätebrett
Triebwerk:
  • Typ: R-11 F2S-300 (37F2S)
  • Zweiwellen-Einstrom-Turbinenluftstrahltriebwerk mit 3-stufigem Niederdruck- und 3-stufigem Hochdruckverdichter angetrieben von einer zweistufigen Überdruckturbine
  • Rohr-Ringbrennkammer mit 10 Flammrohren
  • hydraulisch verstellbare Schubdüse mit festem Programm
  • stufenlos hydraulisch verstellbarer Lufteinlaufkegel
  • günstiges Schub-Masse-Verhältnis auf Grund einfacher Bauweise
  • Startschub 38,3 kN ohne, 60,6 kN mit Nachverbrennung
  • Möglichkeit des Einsatzes von Starthilfsraketen
Triebwerksleistungen:
Schub Nachbrenner maximal
spezifischer Kraftstoffverbrauch
Luftdurchsatz
Hochdruckverdichterdrehzahl
Niederdruckverdichterdrehzahl
Abgastemperatur
Schub Nachbrenner minimal
spezifischer Kraftstoffverbrauch
Abgastemperatur
Schub Nennleistung maximal
mit SPS-System
spezifischer Kraftstoffverbrauch
Abgastemperatur
mit SPS-System
Luftentnahme für SPS-Betrieb
Anlasszeit
Beschleubigung Leerlauf-Maximal
Leerlauf-Nachbrenner

6175 kp
2,37 kg/h/kp
65,7 kg/sec
11.412 U/min
11.150 U/min
< 740°C
4900 kp
< 1,73 kg/h/kp
< 740°/C
3900 kp
3400 kp
0,96 kg/h/kp
< 740°/C
< 750 kp
2,5 kg/sec
38-60 sec
12 – 15 sec
< 18,5 sec
Kraftstoff:
  • T-1 oder TS-1 (Kerosin)
  • Gesamtkraftstoffvorrat innen 2750 Liter, eingestellt 2600 Liter (aufgeteilt in sechs Rumpfbehälter 2020 Liter, Tank hinter der Kabine 170 Liter, in vier Flügeltanks 560 Liter)
  • 1 Zusatzbehälter unter dem Rumpf 490 Liter oder 800 Liter
  • maximaler Kraftstoffvorrat 3550 Liter
Funk- und Funkmessausrüstung:
Funkstation R-802 (Bord-Bord, Bord-Boden) automatischer Funkkompaß ARK-10 Markierungsempfänger MRP-56 Funkhöhenmesser RW-UM Kennungsgerät SRO-2
  • automatische Sende-und Empfangsanlage mit Sprengmechanismus
  • vorbestimmte Kodeanzahl 12
  • Antennen: Rumpfbug 1x, Seitenleitwerk 3x, je Tragfläche 2x
Antwortgerät SOD-57
  • Betriebsarten Leiten und Landen, Kennungsbetrieb
  • Antennen Seitenleitwerk 3x, Tragfläche 1x
Flugdatenschreiber SARRP
System „LASUR“
Funkmeßvisier (RP-21 „Saphir“)
  • Reichweite im Übersichtsbetrieb ca. 20 km
  • Azimutwinkel horizontal +/- 30°, vertikal +/- 12°
  • untere Einsatzhöhe etwa 2000 m
System SPS:

System zum Abblasen der Grenzschicht über den ausgefahrenen Landeklappen verringert die Geschwindigkeit im Landeanflug von bisher 360-380 km/h auf nunmehr 320-340 km/h und damit auch die Aufsetzgeschwindigkeit um rund 40 km/h.

Autopilot KAP-2:
einkanaliger Querneigungsautopilot mit drei Betriebsarten:
  • Dämpfung – Unterdrückung der Rollschwingungen des Flugzeuges
  • Stabilisierung – Stabilisierung der räumlichen Lage
  • Rückführung – Flugzeug nimmt selbständig Nullquerlage ein
Katapultsitz KM-1:
gegenüber SK-1 verbesserte Parameter:
  • minimale Höhe zum sicheren Katapultieren 0 m bei Minimalgeschwindigkeit 130 km/h
  • Maximalgeschwindigkeit 2500 km/h, maximale Höhe 25.000 m in Zusammenarbeit mit dem Druckanzug und dem Vollhelm
  • Kabinendach wird vorher automatisch abgeworfen oder manuell bei Versagen der Automatik
  • Armbegrenzer und Beinfangschlaufen erhöhen die Sicherheit und mindern das Verletzungsrisiko
Bewaffnung:

Raketen Luft-Luft (infrarot- und leitstrahlgelenkt)
32 ungelenkte Raketen „S-5“
Bomben
Kanonengondel „GP-9“

Erfahrungen aus dem Vietnamkrieg zeigten, daß der moderne Luftkampf nicht nur außerhalb des visuellen Bereiches stattfindet, sondern der Nahluftkampf weiter seine Berechtigung hat. Deshalb gab es Überlegungen, auch die MiG-21 wieder mit einer Kanone auszurüsten. Den Anfang machte dabei die Kanonengondel „GP-9“ für die MiG-21 SPS-K. Ausgerüstet mit einer 2 x 23 mm Kanone „GSch-23“ mit 200 Schuß wurde sie anstelle des Zusatzbehälters unter dem Rumpf angebaut. Äußerlich ist die MiG-21 SPS-K nur an dem Knauf vor der Rumpfaufhängung zu erkennen, an dem die „GP-9“ befestigt wird. Die nächsten Versionen hatten dann wieder eine fest im Rumpf eingebaute „GSch-23“.

Menü schließen